Schul-Cloud-Forum: eine Zusammenfassung

Zum ersten Schul-Cloud-Forum „Zukunftssichere IT-Infrastruktur für Schulen in Deutschland" kamen am Montag, 3. April 2017, Vertreter/innen von 26 MINT-EC-Schulen, die an der ersten Pilotphase der Schul-Cloud teilnehmen, und weitere - insgesamt 120 - Gäste, ans Hasso-Plattner-Institut (HPI), um „die Welt kennenzulernen, in die wir eintauchen, wenn wir digitale Bildung in der Schule möglich machen wollen".

Der Gastgeber, HPI-Direktor Professor Christoph Meinel, legte in seiner Begrüßung den Schwerpunkt auf die infrastrukturellen Potenziale der Schul-Cloud: „Mit der Schul-Cloud wollen wir eine Infrastruktur bereitstellen, durch die Schüler/innen und Lehrer/innen ganz einfach auf Digitaltechnik zugreifen und digitale Lehrinhalte im Schulalltag leicht einsetzen können."

Wolfgang Gollub, MINT-EC Vorstandsvorsitzender, ergänzte: „Die ganz große Chance, die wir jetzt haben, ist, Digitalisierung im schulischen Bereich voranzutreiben und das mit zeitgemäßen Cloud-Technologien".

BMBF & KMK sind dabei

MinDir. Matthias Graf von Kielmansegg, Leiter der Abteilung Grundsatzfragen, Strategie und digitaler Wandel im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) verdeutlichte die Rolle des Schul-Cloud-Projekts im aktuellen politischen Kontext und der Digitalen Agenda: „Seit der Ankündigung der Ministerin im Oktober haben wir die meisten Zuschriften und Äußerungen aus der Bevölkerung überhaupt zu einem Thema unseres Ministeriums in dieser Legislaturperiode bekommen, möglicherweise sogar so viele wie zu allen anderen Themen zusammen!"

Udo Michallik, Generalsekretär der Kultusministerkonferenz (KMK), sieht eine große Bedeutung darin „den gesamten Prozess nicht von der Seite des Defizits her zu betrachten, also zu sagen: ,was haben wir alles noch nicht geschafft, was haben wir alles noch nicht gekonnt, wo sind andere schon viel, viel weiter', sondern zu sagen: ,Lass uns mal gucken, was es überall gibt und wie können wir anhand dieser Beispiele unsere eigenen Prozesse letztendlich gewinnbringend gestalten'.

Die renommierte Fachdidaktikerin, Professorin Julia Knopf, näherte sich dem Thema „Wie wird Unterricht mit digitalen Medien zum Erfolg?" aus der Perspektive des Unterrichtsfachs heraus und legte den Fokus auf die folgenden drei Entwicklungen zur Integration digitaler Medien in den Unterricht: allgemeine Medienprojekte, Digitalisierung analoger Unterrichtsmaterialien und fachspezifische Unterrichtskonzepte mit digitalen Medien.

Austausch auf verschiedenen Ebenen

Während die Redner/innen in vertraulicher Atmosphäre weiter diskutierten, amüsierten sich die Teilnehmer/innen im Foyer bereits beim Quiz-Battle.

Blick über den Tellerrand & in die schulische Praxis

Um die Entwicklungen in anderen Ländern nicht aus den Augen zu verlieren, berichtete Dr. Serge Linckels vom Bildungsministerium in Luxemburg über die dort vonstattengehende digitale Entwicklung der Bildung - von aktiv-entdeckendem Lernen mit digitalen Medien über adaptive, technologiegestützte Lernwerkzeuge bis hin zu sogenannten Learning Analystics.

Dr. Andreas Pallack, Schulleiter des Franz-Stock-Gymnasiums in Arnsberg, relativierte: „Ich möchte das durchaus etwas kleiner kochen. Wenn wir Unterricht verändern wollen, müssen wir überlegen, was Lehrkräfte bewegt, ihren Unterricht zu verändern. Kreijns et al. fanden 2013 heraus, dass die Einstellung zu digitalen Lernmedien den größten Einflussfaktor auf die Bereitschaft darstellt, digitale Lernmedien einzusetzen".

Daniel Ittner von der Jean-Clermont-Schule ergänzte seine Erfahrungen zum effektiven Einsatz digitaler Medien im Unterricht aus dem Projekt „Interaktiver Zeitstrahl mit multimedialen Inhalten und QR-Codes“.

Schule & Cloud: Passt das zusammen?

Jan Renz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am HPI, meint: „Ja! In der Schul-Cloud setzen wir zwei Schwerpunkte. Zum einen sollen die Nutzer/innen im Mittelpunkt stehen. Wir wollen eine Infrastruktur schaffen und so ausgestalten, dass am Ende des Tages den Schüler/innen, Lehrer/innen, Schulleiter/innen, Eltern, der Schulhilfe am Nachmittag dient. Wir wollen bei der Entwicklung der Cloud-Infrastruktur dafür sorgen, dass die Systeme miteinander sprechen können - von Anfang an. Ein Kernelement ist Modularität, entgegengesetzt zum klassischen Monolithen. Microservices ermöglichen die notwendige Flexibilität und agile Projektentwicklung, um sich an Zukünftiges anzupassen. Die Schul-Cloud soll offen, vernetzend sein. Wir merken, dass es den Bedarf gibt, dass die Akteur/innen in der deutschen Bildungslandschaft auch auf technischer Ebene noch mehr und enger miteinander reden als sie das bisher getan haben. Die Schul-Cloud kann ein mögliches Podest, Konstrukt sein, um solche Gespräche voranzubringen. Aus unserer Sicht der Ingenieur/innen ist wichtig, dass wir möglichst wenig selbst erfinden, sondern ein Netz bauen und Funktionen, die bereits existieren, verknüpfen. Die Schul-Cloud integriert auf Schnittstellenebene so viel wie möglich. Digitalisierung funktioniert nur, wenn sie einen Mehrwert bietet. Die Schul-Cloud soll so einfach wie möglich sein. Alles, was im Rahmen dieses Pilotprojekts stattfindet, läuft ausschließlich in deutschen, datenschutzkonformen Rechenzentren. Datenschutz muss gewährleistet sein. Die gesamte Datenkommunikation ist verschlüsselt. Privacy by Design berücksichtigen wir von Anfang an. Derzeit sondieren wir, wie wir das infrastrukturell zu Bauende, und Ihre Anforderungen als Lehrer/in, Schüler/in, Schulleiter/in in Forn von Anwendungsszenarien zusammenbringen können."

Die aufgezeichneten Vorträge finden Sie unter: http://www.tele-task.de/archive/series/overview/1149/.

Der Nachmittag war der projektinternen Zusammenarbeit vorbehalten. In drei parallelen Workshops wurde an den Themen „Rahmenbedingungen aus Sicht der Schulleitung und -organisation", „Infrastruktur: Einsatz von IT in der Schule" und „Nutzung der Schul-Cloud im Unterricht" gearbeitet. Sofern pädagogische Überlegungen und Ziele die Motoren der Schul-Cloud sind, sehen die Pilotschulen eine echte Möglichkeit, dass sich Schulkultur und -kooperation verändern kann.

Voller Neugier blicken nun alle auf die Phase, in der die Schul-Cloud konkret mit den Schüler/innen ausprobiert wird.

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