10 Forderungen an eine deutsche Schul-Cloud

Ein Zugang zu allen Angeboten

Die Schul-Cloud soll vernetzen und erschließen. Dadurch kann sie unter einem Dach einen einfachen und komfortablen Zugang bieten. Damit durch die Vielzahl an Inhalten und Möglichkeiten eine Unübersichtlichkeit entsteht, sollte die Schul-Cloud mit Community sowie nutzungsbasierten Empfehlungs- und Assistenzmechanismen dafür sorgen, dass passende Angebote und Inhalte gefunden werden, sogar wenn der Nutzer gar nicht aktiv nach Ihnen gesucht hat. Dieser Lern-Store bringt Inhalte und Nutzer zusammen. Dabei können Inhalte von Verlagen, Start-Ups, OER Initiativen oder der Community, also bspw. engagierten Lehrer*Innen kommen.

Lehrer unterstützen, nicht ersetzen

Die Rolle und Wichtigkeit des Lehrers in einer zunehmend digitalisierten Schule wird eher an Gewicht gewinnen. Die Schul-Cloud soll ihn bei seinen Aufgaben unterstützen. Hochwertige Inhalte helfen ihm bei der Gestaltung seines Unterrichtes, der Zugriff auf die bundesweite Lehrercommunity sorgt für neue Ideen und Impulse. Gleichzeitig kann er mit der Schul-Cloud dafür sorgen, dass sowohl schwächere Schüler besser gefördert und gute Schüler intensiver gefordert werden. Digitale Tools schaffen dabei für den Lehrer eine bessere Sichtbarkeit und Transparenz.

Lernorte vernetzen

Lernen unterscheidet sich je nach Lernort. In der Schule ist es anders als auf dem Schulweg oder zu Hause. Zu Hause ist die Internet Recherche ein Mausklick weit entfernt, in der Schule mag das Dank fehlendem Netzwerk und Endgerät anders aussehen (oder wird eben via privatem Smartphone ausgeführt). Die Schul-Cloud ermöglicht dabei an allen Lernorte ein Zugriff auf die gleichen Tools und Inhalte. Dabei ist der nahtlose Übergang von Lernorten (und damit ggf. auch von Endgerät und Kontext) dank der Unterstützung durch das System einfach und komfortabel möglich.

Portabilität

Ein Schüler macht im Laufe seiner schulischen Ausbildung mehrere Schulwechsel durch. Das kann je nach Lebenssituation auch Landesgrenzen überschreiten Die Schul-Cloud sollte dabei ein Begleiter über die gesamte schulische Laufbahn sein. Inhalte und die eigenen Daten können dabei vom Schüler mitgenommen werden.

Datenschutz und Souveränität statt Datensparsamkeit

In einer digitalen Welt ist es unumgänglich, dass die Nutzung der diversen Angebote seine Spuren hinterlässt. In den Nutzungsdaten, die in einer deutschen Schul-Cloud anfallen steckt ein hohes Potential für die Forschung, aber auch für die Lehrer und Schüler selbst. So können beispielsweise Inhalte vorgeschlagenen werden, von denen dem System bekannt ist, das diese bei anderen Schülern in einer ähnlichen Situation gut geholfen haben. Während auf das Potential dieser Daten nicht verzichtet werden sollte, ist eine Anonymisierung von Daten und eine datenschutzkonforme Datenhandhabung wichtig, damit sich alle Beteiligten auf eine Nutzung einlassen können.

Technik nicht zum Selbstzweck

Die Schul-Cloud wird den Einsatz digitaler Medien im Unterricht vereinfachen. Gerade deshalb ist ein ausgewogener Medienmix wichtig, der physische und virtuel digitale Erfahrungen verbindet. Die Verfügbarkeit der Schul-Cloud soll dazu führen, dass Lehrer eine breitere Auswahl an Möglichkeiten bekommen, mit denen sie ihren Unterricht gestalten können.

Wartungsaufwände minimieren

IT-Administration gehört zu den Tätigkeiten, die im Allgemeinen keinen besonderen Spaß machen, sondern eher als notwendiges Übel anzusehen sind. Durch die Verlagerung von Diensten in die Cloud und den Einsatz von weniger wartungsintensiven Endgeräten können somit Ressourcen geschont werden, die engagierte Lehrkraft kann sich somit statt um Rechner um die Schüler*Innen kümmern.

Start-Up und Community Potential erschließen

In vielen Feldern hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass viele Innovationen von Start-Ups und Communities ausgehen können. Für Start-Ups aus dem EdTech Bereich ist der deutsche Markt momentan wenig attraktiv. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe, wie z. B., die föderale Fragmentierung und die Komplexität von Schule. Die Schul-Cloud kann hierbei einen Beitrag leisten, um Anbieter und Nutzer näher zusammenzubringen. Dafür sollte auch die Communites einbezogen werden, sei es im Bereich Open Educational Ressources (OER) oder für die Pflege und Weiterentwicklung von Tools und der Schul-Cloud selbst.

Anbieter und Landesübergreifend

Die Schul-Cloud als bundesweites Angebot ist länderübergreifend. Zwar kann die Schul-Cloud, bspw. bei der Suche nach Inhalten je Bundesland differenzieren, aber es soll hier explizit einer Silo-Bildung entgegen gewirkt werden. Auch wenn es um die Auswahl von Tool- und Inhalte-Anbieter geht, steht die Schul-Cloud allen Anbietern offen. Hier gilt es Qualitätsstandard und Datenschutz-Standards zu definieren, die zwingend erfüllt werden müssen. Auch gilt, dass der Nutzer die Hoheit über das System behalten, möchte eine Schule z. B. einen bestimmten Inhalteanbieter oder eine nicht gewünschte Funktionalität ausschließen, so sollte dies jederzeit möglich sein.

Offen, modular, erweiterbar und freiwillig

Lösungen, die von dritter Seite zur Nutzung vorgeschrieben werden, kämpfen oft mit einer mangelnden Nutzerakzeptanz. Die Schul-Cloud will daher ermöglichen, aber nicht vorschreiben. Während also die Verwendung von Diensten vereinfacht wird die über die Schul-Cloud erreichbar sind, so bleibt es Ländern, Schulen und Lehrern Überlassen für einzelne Anwendungsfälle auf andere Tools und Dienste zu setzen. Gleichzeitig sollte hier aber auch Aufklärungsarbeit betrieben werden, um beispielsweise Lehrer bei dem Einsatz von Lösungen wie WhatsApp auf vorhandene Problematiken (Datenschutz) hinzuweisen.
Auch die zur Verfügung gestellte Oberfläche ist optional, wer möchte, kann auch auf bereitgestellte Dienste der Schul-Cloud per API zugreifen und diese beispielsweise in seine eigenen Lernumgebungen einbinden.
Eine Service-Orientierte Architektur der Schul-Cloud sollte zudem dafür sorgen das Dienste einfach erweitert oder sogar ausgetauscht werden können.

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